Große Herausforderung, straffer Zeitplan

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Ein Klimaschutzkonzept für Rastede unter breiter Beteiligung von Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit zu erstellen – das ist die Aufgabe von Klimaschutzmanagerin Evelyn Brudler. Gestern stellte sie das Projekt im Ausschuss für Klima- und Umweltschutz öffentlich vor.

Von Britta Lübbers

Es ist ein ambitioniertes Vorhaben: Im Februar hat Evelyn Brudler ihre zunächst auf zwei Jahre befristete Stelle angetreten (wir berichteten), in nicht ganz einem Jahr muss das Konzept stehen. Auf dem Weg dahin wird es Erhebungen, Analysen, Maßnahmen und die Beteiligung der Öffentlichkeit geben. „Es ist ein extrem straffer Arbeitsplan“, sagte Brudler im Fachausschuss, wo sie ihre Aufgabe vorstellte. Und sie zitierte einen Kollegen, der diesen Job mit „einer kleinen Masterarbeit“ verglichen hatte. Dass ihr der Auftrag gelingt, daran ließ sie indes keinen Zweifel.

Hintergrund der neuen Verwaltungsstelle ist das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung, das die Treibhausneutralität bis 2045 festschreibt und dazu auch die Kommunen in die Pflicht nimmt. Bereits 2030 sollen die Emissionen deutschlandweit um 65 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. Der Staat verpflichtet sich, ökologisch vorzubeugen, damit es in Zukunft nicht zu unverhältnismäßigen Folgen vor allem für die jüngere Generation kommt. Das klingt gut, aber Brudler zeigte sich realistisch. „Der Pfad, auf dem Deutschland sich derzeit befindet, ist schwach.“ Um die selbst gestellten Ziele zu erreichen, müsse mehr getan werden. Auch auf Rastede, das bereits 2040 klimaneutral sein will, kommen erhebliche Anstrengungen zu.

Im Februar hat Evelyn Brudler ihre Stelle als erste Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Rastede angetreten | Foto: Lübbers

Zurzeit ist Evelyn Brudler vor allem mit der Erhebung von Daten zum Energieverbrauch beschäftigt. Zum Klimaschutzmanagement zählen aber auch ein Maßnahmenkatalog, die fachgebietsübergreifende Planung und die Etablierung eines Verstetigungskonzepts. Betroffen sind nahezu alle kommunalen Bereiche, von der Bauleit- über die Verkehrsplanung bis hin zur Strom- und Wärmeversorgung. Pflichtfelder sind u.a. die Liegenschaften, das Flächenmanagement, Abwasser und Abfall, erneuerbare Energien und Mobilität. „Ich bin die Organisatorin für den Prozess, ich setze die Maßnahmen nicht um“, unterstrich Brudler. Es ist die Gemeinde, die handelt.

Die noch zu gründende Lenkungsgruppe, die sich aus einer breiten Öffentlichkeit zusammensetzt, berät und empfiehlt die vorgelegten Maßnahmen aus der so genannten Akteursbeteiligung. Akteurinnen und Akteure engagieren sich z.B. in Workshops oder in einem Jugendklimagipfel. Die Auftaktveranstaltung findet am 31. August statt.

Diversität gewünscht

„Werden bereits jetzt Maßnahmen und Ideen berücksichtigt?“, wollte Rüdiger Kramer (SPD) wissen. „Auf jeden Fall, Maßnahmen sind immer willkommen und gehen in die Planung ein“, erwiderte Evelyn Brudler. Dieter Ahlers (CDU) erfragte die Höhe von Fördermitteln. „Es gibt immer mehr Gesetze, die die Kommunen drücken und drängen, aktiv zu werden“, antwortete Brudler. Aber auch die Möglichkeiten der Förderung würden ausgeweitet. So gebe es Förderlinien, bei denen die finanzielle Unterstützung kumuliert wird. Da seien schon mal 70 Prozent möglich.

Monika Sager-Gertje (SPD) fragte nach der Lenkungsgruppe. Die setze sich aus der „Gemeindegesellschaft“ zusammen, antwortete Brudler. Ziel sei eine konstruktive, aber auch kritische Auseinandersetzung. Konkreter wurde der Erste Gemeinderat Günther Henkel. „Sowohl für die Akteursbeteiligung als auch für die Lenkungsgruppe gilt: Es sollen nicht nur die mitmachen, die beim Klimaschutz sofort ,Hurra‘ schreien.“ Auch jene, die sagten: ,Ihr schießt übers Ziel hinaus‘, seien willkommen. „Wir brauchen Diversität“, sagte Henkel.

Einhellig fiel das Lob für Evelyn Brudlers Präsentation aus. „Hut ab vor Ihrer Arbeit“, brachte es Sabine Eyting (Grüne) auf den Punkt.

„Das Thema scheint zunächst abstrakt, aber es steht und fällt mit der Akteursbeteiligung“, befand Dirk von Essen (CDU). Wichtig sei, eine breite Mehrheit abzubilden.

„In einer ländlich geprägten Gemeinde kann man Klimaschutz nur mit der Landwirtschaft nach vorne bringen“, mahnte Christian Meyer-Hullmann (FDP). „Es gibt aber keine Alternativen dazu, mit den Ressourcen schonend umzugehen“, fügte er hinzu.

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