Ein Baustein im europäischen Haus

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Gestern wurde der Partnerschaftsvertrag zwischen den Gemeinden Dobrzyca und Rastede unterschrieben

Von Britta Lübbers

Es war mehr als nur ein formaler Akt: In einer Feierstunde im Palais Rastede bekundeten die Vertreterinnen und Vertreter beider Gemeinden den hohen Wert, den internationale Partnerschaften gerade jetzt besitzen, da mitten in Europa ein Krieg wütet. Mit ihrer nun besiegelten Freundschaft wollen sie ein Hoffnungszeichen setzen gegen die Zumutungen der Zeit. Bereits vor zwei Jahren hätte die Kooperation bereits besiegelt werden sollen, doch die Corona-Pandemie verhinderte ein Treffen. Seit gestern ist die Freundschaft nun offiziell, Bürgermeister Lars Krause und sein polnischer Amtskollege Jaroslaw Piotr Pietrzak setzten ihre Unterschriften unter die Verträge. Die Delegation aus Polen war ohnehin im Ammerland zu Gast, denn zwischen den Landkreisen Ammerland und Pleszew, zu dem Dobrzyca gehört, besteht seit 20 Jahren eine Partnerschaft. Beide Kreise haben jeweils sechs Gemeinden bzw. Städte, die miteinander befreundet sind. Mit der Verbindung zwischen Rastede und Dobrzyca ist die Liste nun komplett.

„Der Kern unserer Partnerschaft soll die Begegnung und der Austausch zwischen den Menschen werden“, sagte Bürgermeister Lars Krause. „Wie wichtig Partnerschaften und europäischer Zusammenhalt sind, erleben wir gegenwärtig schmerzlich, da vor unseren Augen ein Krieg geführt wird.“ Krause bezeichnete die Vertragsbesiegelung als Initialzündung dafür, „dass die Akteure eine fruchtbare Zusammenarbeit aufbauen“. Er wünsche sich einen intensiven Austausch, getragen von den Bürgerinnen und Bürgern beider Gemeinden. Dann überreichte er seinem Amtskollegen das Rastede-Wappen. Der revanchierte sich mit einem Präsentkorb gefüllt mit lokalen Spezialitäten und einer Holztafel mit Sehenswürdigkeiten in Dobrzyca, das in der Woiwodschaft Großpolen liegt, rund 8000 Einwohner und – wie Rastede – ein Schloss und ein Palais hat.

„Ich bin seit 16 Jahren im Amt und habe immer dafür gekämpft, dass diese Partnerschaft zustande kommt“, unterstrich Jaroslaw Piotr Pietrzak. Gerade in schwierigen Zeiten sei es wichtig, den Zusammenhalt zu festigen. „Heute machen wir den ersten Schritt, dies ist ein historischer Tag.“

Die Ammerländer Landrätin Karin Harms bezeichnete die neue Städteverbindung als „kleinen, aber wichtigen Baustein im europäischen Haus der Nationen“. Städtepartnerschaften brächten Menschen zusammen. „Sie vermitteln Verständnis füreinander und zeigen uns, was uns in der Tiefe verbindet und wie viel wir gemeinsam auf die Beine stellen können.“ Es sei ein Gewinn, sich auszutauschen und neue Perspektiven zu entwickeln. Der Krieg in der Ukraine zerstöre Leben und Lebensgrundlagen, wandte aber auch Harms den Blick auf den Brandherd im Osten, er zerstöre ebenso das über Jahrzehnte gewachsene Vertrauen in Verträge wie die Schlussakte von Helsinki und erschüttere den Glauben an Gewaltfreiheit und eine friedliche Koexistenz. Umso wichtiger sei jetzt ein europäisches Zusammenwirken. „Wir setzen heute ein Zeichen für Verbundenheit, Hoffnung und fortdauernden Frieden“, bekräftigte Karin Harms.

Es sei schon so viel gesagt worden, erklärte abschließend der Landrat des Kreises Pleszew, Maciej Wasielewski. Er beschränke sich auf ein „Bravo“. Ein paar Sätze sagte er dann aber doch, die – wie auch die vorangegangenen Reden – von der gut aufgelegten Dolmetscherin Iwona Fankulewska souverän übertragen wurden. Die rund 800 Kilometer zwischen Rastede und Dobrzyca seien kein Hindernis für das Vertiefen der Beziehungen, betonte Wasielewski. „Zum Haus eines Freundes ist nie ein Weg zu weit.“


Deutsch-polnisches Treffen: Gäste und Gastgeber vor dem Palais Rastede | Foto: Lübbers

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