Zoff um Stellenausschreibung

0

Die Gesellschafterversammlung der RR GmbH hat gestern beschlossen, dass „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ eine neue Geschäftsführung und eine „Fachkraft für die kulturhistorische Vermarktung“ eingestellt werden. Die CDU ist dagegen.

Von Britta Lübbers

Seit zwei Jahren hat die Residenzort Rastede (RR) GmbH keinen regulären Geschäftsführer mehr. Der Vertrag von Robert Lohkamp wurde damals nicht verlängert. Seitdem übt der Bürgermeister das Amt kommissarisch aus. Die Stelle von Dr. Friedrich Scheele, der als Kulturförderer bei der Gesellschaft beschäftigt war, wurde nach dessen Entlassung im vergangenen Jahr nicht wieder ausgeschrieben. Im September verstarb überraschend Dr. Claudia Thoben. Die Leiterin des Palais Rastede hätte zum 1. Oktober zur RR GmbH wechseln sollen. Nun kommt Bewegung in den personellen Stillstand. Gestern hat die Gesellschafterversammlung auf ihrer Sitzung in der Grundschule Kleibrok entschieden, „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ sowohl einen Geschäftsführer/eine Geschäftsführerin als auch eine „Fachkraft für die kulturhistorische Vermarktung“ einzustellen. Die Diskussion verlief kontrovers.

Bürgermeister Lars Krause machte deutlich, dass die Geschäftsführung der Gesellschaft, die er zurzeit innehat, auf Dauer nicht mit den Anforderungen an sein Hauptamt zu vereinbaren ist. Susanne Lamers (CDU) wunderte sich über die Vorlage. Ihr fehlten konkrete Ziele, wohin es mit der RR GmbH überhaupt gehen soll. „Wir brauchen ein Leitbild mit Bürgerbeteiligung. Es mangelt an einem Konzept“, sagte sie. Nun sei auch noch der Betrieb des Palais hinzugekommen. „Wie soll das konkret aussehen? Welche Rolle spielt der Kunst- und Kulturkreis Rastede? Diese Fragen sind ungeklärt. Wir können keine Geschäftsführung einstellen, ohne zuvor unsere Ziele zu definieren.“

„Ziele zu benennen schließt eine neue Geschäftsführung nicht aus“, meinte hingegen Max Kunze (Grüne). „Wir können die Zeit der Stellenausschreibung als Vorlauf nutzen.“

„Es gibt keine GmbH, in der sich die Gesellschafter alles selbst ausdenken“, wandte auch Rüdiger Kramer (SPD) ein. „Das Leitbild ist übrigens seit 2004 vorhanden“, fügte er hinzu. „Es muss lediglich gelebt werden.“

Nicht überzeugt zeigte sich Hendrik Lehners (CDU). „Vor einem Jahr haben wir keine Notwendigkeit für einen neuen Geschäftsführer gesehen. Und seitdem ist nichts passiert. Wir brauchen mindestens eine mittelfristige Planung, wozu ein Geschäftsführer da sein soll. Ich will keine Wunderperson, die alle Probleme löst, aber ich möchte ein ergebnisoffenes Verfahren mit den Bürgerinnen und Bürgern.“

„Wenn wir diese Stelle nicht ausschreiben, sind wir im nächsten Jahr da, wo wir jetzt sind“, unterstrich Monika Sager-Gertje (SPD). „Die Fragen nach der Zielsetzung sind richtig, aber wir werden ohne Geschäftsführung keine Antworten erhalten.“

„Es geht um die Besetzung einer unbesetzten Stelle als Ganztagsaufgabe in Vollzeit“, bilanzierte Lars Krause. Gegen die Stimmen der CDU wurde der Beschlussvorschlag angenommen.

Kontrovers war auch die Aussprache über die Einstellung einer „Fachkraft für die kulturhistorische Vermarktung“. Evelyn-Fisbeck (FDP) und Rüdiger Kramer (SPD) äußerten Probleme mit dem Anforderungsprofil, nach dem ein Event-Manager/eine Event-Managerin gesucht wird. „Das ist nicht, was ich mir als Ersatz für Claudia Thoben wünsche“, sagte Evelyn Fisbeck. Rüdiger Kramer schlug vor, statt von Event-, besser von Kultur-Management zu sprechen. „Wir wollen Kultur für breite Bevölkerungskreise erlebbar machen. Die Stellenausschreibung ist bewusst weiter gefasst“, erklärte Lars Krause. „Salopp gesagt, soll Ihnen die Fachkraft das Palais vollmachen“, ergänzte der Erste Gemeinderat Günther Henkel. Zuständig sei sie zudem für Kultur an anderen Orten, z.B. auf dem Turnierplatz.

Rüdiger Kramer kritisierte die vorgesehene Jahresvergütung von 70.000 Euro. „Mit einer solchen Summe habe ich ein Problem.“ Wer das geringe Besucheraufkommen im Palais ändern wolle, müsse etwas anbieten, erwiderte Günther Henkel. „Für einen Profi müssen wir einen attraktiven Rahmen haben.“ Gegen die Stimmen der CDU wurde die modifizierte Ausschreibung auf den Weg gebracht. Nun sollen Bewerbungen unter Angabe der Gehaltsvorstellungen eingereicht werden.

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken