Kontroverse über neues Wohngebiet

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Das geplante Baugebiet im Göhlen wird nun doch nicht über die Straße Hasenbült erschlossen. Auch die Hankhauser Bäke soll nicht – wie beabsichtigt – verrohrt, sondern soll als Fließgewässer erhalten bleiben. Das entschied gestern der Bauausschuss auf seiner Sitzung in der Aula der KGS.

Von Britta Lübbers

Gegen die Stimmen von SPD und UWG votierten die Mitglieder für die 64. Flächennutzungsplanänderung und die Aufstellung des Bebauungsplans für das Wohngebiet im Göhlen. Es umfasst die 16,2 Hektar große Fläche zwischen der Graf-von-Galen-Straße, dem Harry-Wilters-Ring und dem Koppelweg, dem Hasenbült und Im Göhlen. Für die Wohnbebauung sind hier rund 9,7 Hektar, für Grünflächen 6,5 Hektar vorgesehen.

Das Erschließungskonzept wurde infolge der frühzeitigen Beteiligung überarbeitet. Das neue Wohngebiet soll über die Straße Im Göhlen sowie den Koppelweg und den Harry-Wilters-Ring an das Verkehrsnetz angebunden werden. Die ursprüngliche Absicht, den Bereich auch über den Hasenbült zu erschließen, wurde aufgegeben. Die 3,20 Meter breite Straße hätte auf eine Mindestbreite von 5,50 Metern ausgebaut werden, die die dort wachsenden Wallhecken entfernt werden müssen. Für einen solchen Ausbau existiert kein Planungsrecht. Um dieses zu erhalten, müsste der Ausbau alternativlos sein – ist er aber nicht, meint der Landkreis Ammerland und verweist auf die ausreichende Leistungsfähigkeit der Straße Im Göhlen. „Daher hat der Landkreis als Planfeststellungsbehörde in Aussicht gestellt, dass ein Antrag zum Ausbau des Hasenbült nicht positiv begleitet werden kann“, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Auch die geplante Verrohrung der Hankhauser Bäke wird vom Landkreis und dem Entwässerungsverband Jade abgelehnt. „Eine solche Maßnahme widerspricht dem Wasserhaushaltsrecht“, sagte Ina Rehfeld vom NWP Planungsbüro, die die Einwendungen sowie den aktuellen Entwurf vorstellte. Die Folge ist nun, dass die Straße Im Göhlen ohne Fuß- und Radweg ausgebaut wird.

Keine Probleme gibt es mit der Greifvogelaufzuchtstation. „Bei einem 200-Meter-Abstand zur Bebauung sind keine relevanten Auswirkungen festzustellen“, erklärte Ina Rehfeld.

Auch die Bürger hatten Einwände geltend gemacht. Sie befürchten vor allem eine erhöhte Verkehrsbelastung, kritisieren das Baugebiet als zu groß und die Bauvorschriften als zu eng. Laut Gutachten steige der Verkehr nicht signifikant, ein Lärmausstoß oberhalb des Grenzwerts sei nicht zu erwarten. Auch beim Baulärm werden die Richtwerte eingehalten, artenschutzrechtliche Bedenken gibt es ebenfalls nicht. Die Bauvorschriften wurden etwas gelockert, z.B. was die Farbe der Dachziegel und die Firsthöhe betrifft. Dass das Wohngebiet überdimensioniert sei, ließ Ina Rehfeld nicht gelten. „Der Bedarf ist da, die Baugebiete in Rastede werden stark nachgefragt.“

Die Einwände des Landkreises seien nachvollziehbar, sagte Torsten Wilters (CDU). „Wenn es rechtlich nicht möglich ist, das Gebiet über den Hasenbült zu erschließen, müssen wir damit leben.“ Das sieht Rüdiger Kramer (SPD) anders. „Wir brauchen vier Erschließungsstraßen, um den Verkehr gerecht zu verteilen“, erklärte er. Lars Krause (SPD) schlug einen härteren Ton an. „Wir haben gemeinsam den Beschluss gefasst, den Bereich auch über den Hasenbült anzubinden. Jetzt ist der Landkreis skeptisch. Ja, wo sind wir denn? Ich hätte von der Verwaltung erwartet, dass sie sich hier klar positioniert.“

Für den Entwurf stimmten auch die Grünen. „Wir schaffen hier ein differenziertes und angemessenes Wohnangebot für den Hauptort mit einer harmonischen Gestaltung und intensiver Begrünung“, sagte Gerd Langhorst. Die UWG stimmte wie die SPD gegen den Beschlussvorschlag. „Wir stehen für eine Bebauung mit Augenmaß“, betonte Theo Meyer. Auch haushaltspolitisch lehnte er den Plan ab. „Der Ausbau von Bauflächen muss sich für die Gemeinde rentieren, hier aber entstehen hohe Folgekosten.“

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