Von Menschen und Maschinen

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Sie scheppert, raucht und quietscht; sie rasselt, röhrt und qualmt: DISYGé heißt die faszinierende Maschine aus Schrottteilen, die Sybille Tholen, Gerold Windels und Dieter Hagen gebaut und der sie rotierendes Leben implantiert haben. Zu sehen ist DISYGé ab Mai im Foyer des Spille-Hauses.

Von Britta Lübbers

„Stillstand gibt es nicht“ ist die Ausstellung mit „Kinetischen Objekten und Fotografie“ des Metaller-Trios übertitelt, die am 8. Mai, 19 Uhr, eröffnet wird. Das Motto ist ein Zitat des berühmten Schweizer Schrottkünstlers Jean Tinguely (1925-1991), der in den 1950er Jahren mit mechanischen Phantasiemaschinen Furore machte. Tinguely parodierte den Kunstbetrieb und kritisierte die grassierende Technisierung seiner Zeit.

Gerold Windels ist seit seiner Ausbildung zum Werklehrer vom Schaffen des Künstlers fasziniert. Zudem hat er eine Affinität zu Metall-Arbeiten, genau wie Dieter Hagen, der nicht nur Maler, sondern von Beruf Maschinenschlosser und Lokomotivführer ist. Die beiden arbeiteten erstmalig bei der Friesland-Ausstellung des Rasteder Fotoclubs „Blende 8“ zusammen. Dem Club gehört auch Sybille Tholen an. Angetan von den Möglichkeiten, mit Schrott zu arbeiten, taten sich die drei im vergangenen Sommer zusammen. Gemeinsam setzten sie ihre Idee um, eine von Tinguely inspirierte Maschinen-Skulptur zu bauen. Während Hagen und Windels bereits Profis im Schweißen sind, musste Sybille Tholen erst Unterricht nehmen. „Ich habe sofort Blut geleckt, das hat so viel Spaß gemacht“, sagt sie. Vom Schrott-Virus nachhaltig befallen waren auch die beiden Männer. „Ich habe nachts wachgelegen und darüber nachgedacht, wie wir DISYGé noch verbessern können“, erzählt Dieter Hagen. Die Maschine heißt nach ihren Erbauern, sie haben die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen kombiniert und noch einen Hauch französische Schweiz dazugetan.

Mindestens einmal die Woche stand das Trio in Hagens kleiner Werkstatt, plante und verwarf, schweißte und verdrahtete und war fasziniert von den Fortschritten, die DISYGé machte. Ihr Grundgerüst ist eine Gasflaschentransportkarre vom Schrottplatz, auch die anderen Teile stammen überwiegend von dort, einiges hat Dieter Hagen beigesteuert.

Während DISYGé wuchs, liefen Windels und Tholen über Land. Sie möchten die Maschine mit einem Kuh-Kino ausstatten („unser Beitrag zur aktuellen Diskussion in Rastede“, lacht Windels) und fertigten zu diesem Zweck „Passbilder“ von freilaufenden Kühen an.

Das Kino ist noch nicht installiert, aber DISYGé kann trotzdem schon allerhand, wie Dieter Hagen demonstriert. Er setzt einen Mini-Motor in Gang und los geht’s. Es ist sehr, sehr laut. Löffel scheppern, Glocken klingen, aus einem Plastikschlauch steigt Rauch auf, eine Salatschleuderblende öffnet und schließt sich wie eine Seeanemone. Man muss unbedingt seine Scheu verlieren und sich der Maschine neugierig nähern, die Details sind unglaublich: das kleine bewegliche Pferd mit Jockey etwa, oder die ruckende Gabelhand mit ihren gebogenen Zinken.

„Wir haben extra für die Ausstellung noch eine zweite Maschine produziert“, erklärt Gerold Windels und zeigt auf den Nachbau von Elément detaché, das Jean Tinguely 1954 konstruiert hatte. Das Gerät besteht aus einem Metall-Rahmen, in dem neun Drahtzahnräder ineinandergreifen. Sie ist ästhetischer als DISYGé und leiser, aber DISYGé ist beeindruckender.

Was wird mit ihr geschehen, wenn die Ausstellung vorüber ist? „Es wäre doch schade, wenn sie wieder auf dem Schrottplatz landet“, sagt Gerold Windels. „Vielleicht dient sie ja als Anregung für eine neue Wettbewerbsausschreibung des KKR“, schlägt er vor. „Wir würden sie auch vor das Rathaus stellen“, lacht Windels.

DISYGé schweigt. Dieter Hagen hat den Motor ausgestellt.

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