Die Clownin in uns

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Gestern fand das zweite Salongespräch im Palais Rastede statt. Initiatorin Sabine Logemann hatte die Diakonin, Theaterpädagogin und Clownin Heike Scharf zu Gast.

Von Britta Lübbers

Vor zwei Wochen hatte Sabine Logemann, die in Rastede Coaching für Frauen anbietet (fraudich), die Reihe gestartet. Sie wendet sich mit ihren Salongesprächen bevorzugt an Frauen, aber auch Männer sind willkommen. Der Salon soll die Möglichkeit bieten, sich in zwangloser Atmosphäre auszutauschen, wie sie zur Begrüßung sagte. Zu jedem Salon ist ein besonderer Gast eingeladen, gestern war es Heike Scharf. Und die hatte eine weitere Person im Gefolge: Fräulein Maiwald, die einen entzückenden Auftritt hinlegte.

„Du bist leidenschaftliche Friesin, Diakonin, Clownin, Theater- und Spielpädagogin, Mutter eines Sohnes, Tochter, Schwester, du liebst die Bühne und die Menschen“, spannte Sabine Logemann zur Einführung einen großen Bogen. „Das klang schön“, freut sich die Vorgestellte. Vom Allgemeinen ging es dann zügig zum Konkreten. „Du hast rote Haare“, konstatierte Sabine Logemann. Das sei schön und mutig. Heike Scharf griff den Ball auf und erzählte sehr persönlich von ihrer Kindheit und Jugend. Sie sei in einem Dorf bei Jever aufgewachsen und dort das einzige Mädchen mit roten Haaren gewesen, worunter sie durchaus gelitten habe. „Jetzt bin ich 53 Jahre und mein Haar ist nicht mehr Natur, aber das habt ihr euch wahrscheinlich schon gedacht.“ Sie lachte. Ja, sie stehe zu ihren Haaren, überhaupt dazu, sie selbst zu sein. In ihrer Hippiephase habe sie mit Henna experimentiert und sei stolz auf das Ergebnis gewesen. Allerdings gehe die Rothaarzeit bald zu Ende. „Ich schneide mir die Haare raspelkurz und färbe sie blau.“ Ein Raunen ging durch die Stuhlreihen. Meint sie das ernst?

Heike Scharf war eine ebenso charmante wie authentische Gesprächspartnerin. Sie wich nicht aus und verblüffte mit bemerkenswerter Ehrlichkeit. Eine Ausbildung zur Hotelfachfrau auf Langeoog („ich dachte, dann bin ich immer schick, komme ins Ausland und spreche fließend Englisch“) habe sich als Irrweg erwiesen, erzählte sie. Sie zog nach Hamburg, machte ihr Abi nach und studierte Sozialpädagogik und Diakonie. „Warum inspiriert dich Jesus?“, fragte Sabine Logemann. „Jesus kann auch als Metapher gesehen werden“, so die Antwort. „Er schaute auf jene, die keiner angesehen hat, und er tat dies mit Stärke und Liebe. Das hat mich immer beeindruckt.“ Braucht der Glauben die Kirche?, wollte die Gastgeberin wissen. Nicht zwingend, meinte die Diakonin. Glauben könne jederzeit und überall gelebt werden. „Du bildest Menschen zu Clowns aus. Bist du selbst eine Clownin?“, fragte Sabine Logemann. „Aber ja“, erwiderte Heike Scharf. Und fügte hinzu: „Jeder ist das. Viele wissen es aber nicht.“ Clowns müssen übrigens nicht lustig sein, weiß die Clownin. „Eine Clownin muss die Menschen nicht zum Lachen bringen. Eine Clownin lebt von Ihren Fehlern und Schwächen, eine Clownin ist einfach da.“ Aber sie darf natürlich Humor haben.

Echt süß

Wie das geht, zeigte aufs Schönste Fräulein Maiwald, die mit roter Nase und Hut den Raum betrat. Fräulein Maiwald ist Heike Scharfs Clownsfigur. „Sie hilft mir sehr viel. Und sie ist echt süß“, wurde sie angekündigt. Was soll man sagen – es stimmte. Fräulein Maiwald redete in der Phantasiesprache Gromolo und ließ sich von allen und allem in Erstaunen, wahlweise in Entzücken versetzen. Sie klaubte die Blumen aus der Vase und wollte sie in ihre Handtasche stecken, sie räumte die Deko vom Tisch und entwaffnete durch den treuherzigsten Blick, den man sich vorstellen kann. Eine Clownin ist. Punkt. Fräulein Maiwald setzte dem gelungenen Abend, der zur Klaviermusik von Lutz Fischer bei Wein und Häppchen ausklang, ein besonderes Glanzlicht auf. Heike Scharf als Hauptgast wird dafür gewiss Verständnis haben.

Das nächste Salongespräch findet am 24. November statt. Eingeladen sind dann zwei Fotografinnen aus Oldenburg.

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