„Eine Weihnachtserinnerung“ im Palais

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Theater Orlando präsentiert Truman Capotes stimmungsvolle Erzählung als szenische Lesung

Von Britta Lübbers

Sie trage sich schon lange mit dem Gedanken, eine Weihnachtslesung im Palais Rastede anzubieten, sagt Sylvia Meining vom Theater Orlando. Aber bisher fehlte der zündende Funke. Der ist nun da, denn die Schauspielerin hat sich in „Eine Weihnachtserinnerung“ von Truman Capote verliebt. „Diese Geschichte berührt“, sagt sie. Ihr Zauber sei ungebrochen. Und weil das so ist, hat Meining den Stoff zu einer literarisch-musikalischen Lesung verarbeitet. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Poesie im Palais“. Sylvia Meining musste erneut unter Corona-Bedingungen planen, aber jetzt steht das Konzept.

Vorgesehen ist, dass die Lesung zeitgleich in mehreren Palais-Räumen zu erleben ist. Sylvia Meining liest live, ihre Stimme und die von der Oldenburger Künstlerin Marina Ruhl komponierte Musik werden in jeden Raum übertragen. Die Gäste sitzen in kleinen Gruppen mit ausreichend Abstand, der Blick geht hinaus in den Palaisgarten. Die ohnehin schöne Aussicht hat Meining bewusst in die Szenerie integriert. Die entblätterten Bäume vor dem Fenster und eine eigens angebrachte Illumination sollen Winterstimmung verbreiten. „Vielleicht hilft es beim Träumen und dabei, sich auf diese ganz und gar zauberhafte Geschichte einzulassen“, lächelt sie.

Seinen Ruhm als Erzähler begründete Truman Capote (1924-1984) bereits mit seinen frühen Geschichten und Romanen. „Eine Weihnachtserinnerung“ gehört zu seinen besten Erzählungen. „Das sah er auch selbst so“, weiß Meining. Poetisch und doch schlicht erzählt Capote von der Freundschaft zwischen einem siebenjährigen, elternlosen Jungen und einer älteren Verwandten mit einem kindlich-sanften Herzen. Er ließ auch eigene Erfahrungen in die Handlung einfließen. Der Junge und die Frau sind arm, aber ihre Weihnachtszeit ist reich an Freundschaft und Atmosphäre. Sie sammeln Nüsse und Beeren, backen Früchtekuchen, holen eine Tanne aus dem Wald und basteln sich heimlich Geschenke. Lange nachdem der Junge fort gegangen ist, erinnert er sich wehmütig an die einfachen Genüsse, die Wärme und Zuneigung.

„Die Erzählung ist in einer großartigen Sprache mit sehr lebendigen Bildern geschrieben“, erklärt Sylvia Meining. Um die ursprüngliche Übersetzung nutzen zu können, hat sie Kontakt mit Capotes Verlag Random House aufgenommen und mit einem Anwalt korrespondiert, mit dem der Schriftsteller befreundet war.

Vom 28. November bis zum 26. Dezember sind zehn Vorstellungen der „Weihnachtserinnerung“ geplant. Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Informationen und Anmeldung unter www.theater-orlando.de.

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