Trauer um Hellmut Strobel

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Der Rundschau-Gründer, ehemalige Ratsherr und Ex-Vorsitzende des KKR, Dr. Hellmut Strobel, ist gestern im Alter von 77 Jahren gestorben

Von Britta Lübbers

Diskussionsbereit, aber nie verletzend, sei er gewesen; klar in seiner Meinung, pointiert in seiner Rede, für die Kultur habe er gebrannt, sagt seine langjährige Weggefährtin Marianne von Essen über Hellmut Strobel, der gestern nach längerer Krankheit, aber doch überraschend gestorben ist. Marianne von Essen und Hellmut Strobel waren gemeinsam im Gemeinderat, er für die FDP, sie für die CDU. Er sei ein typischer Liberaler gewesen, mit einer liberalen Lebenshaltung, so von Essen. Manchmal hart in der Sache, doch immer fair und stets dem Schönen zugewandt. Was er für die Kultur in Rastede geleistet habe, sei immens. „Er war ein Gewinn für die Gemeinde“, unterstreicht die Freundin.

Von Beruf war Hellmut Strobel promovierter Pharmazeut. 1972 übernahm er die Rats-Apotheke, die sein Vater Karl 1957 eröffnet hatte, und die der Sohn bis Ende 2005 weiterführte. Sein Herz aber schlug für die Kultur. Er spüre eine große Affinität zu Theodor Fontane, der ebenfalls Apotheker war, aber lieber Schriftsteller sein wollte, erzählte er einmal in privater Runde.

Von 1996 bis 2005 war Hellmut Strobel Vorsitzender des Kunst- und Kulturkreises Rastede (KKR). Unter seiner Ägide kamen namhafte Künstlerinnen und Künstler in den Residenzort. Er organisierte Ausstellungen von Rang, deutschlandweite Beachtung fand etwa die Schau „Amalie – Herzogin von Oldenburg und Königin von Griechenland“ (2004). „Stechuhr“ und „Feierabend“ waren Begriffe, mit denen er für sich wenig anfangen konnte, schon gar nicht, wenn es um die Kunst ging. Als er den KKR-Vorsitz niederlegte, tat er dies mit der Absicht, Platz für einen Jüngeren oder eine Jüngere zu machen. „Jetzt ist auch genug“, sagte er zum Abschied. Pathos war ihm fremd.

„Hellmut Strobel hat sehr viel für den KKR geleistet“, würdigt Dr. Bernd Meyer die Verdienste seines Vorgängers. „Ihm ist der Palaisvertrag zu verdanken. So konnte der KKR das Haus vom Herzog mieten und erfolgreich bespielen.“

Von 1981 bis 1992 war Hellmut Strobel für die FDP im Rasteder Rat, von 1981 bis 1988 gehörte er dem Verwaltungsausschuss an. In dieser Zeit war er auch 1. Stellvertretender Bürgermeister. Er war zudem Mitglied im Bauausschuss, im Finanz- und Steuerausschuss und – natürlich – im Kulturausschuss. Im November 2003 wurde Hellmut Strobel mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Im Frühjahr 1993 initiierte er das erste Treffen zur Gründung der rasteder rundschau. Keinesfalls, so schrieb Strobel im August desselben Jahres an die künftigen Gesellschafter, solle die Rundschau ein amtliches Mitteilungsblatt oder ein bloßes „Anzeigenblatt“ werden. Vielmehr sei eine unabhängige Zeitung mit Informationen und Meinungen über das örtliche Geschehen geplant.

Strobel war Ideengeber, Redakteur und Korrektor in Personalunion. In seiner Kolumne „Lupo“ nahm er scharfzüngig, geistreich und witzig die Kommunalpolitik ins Visier. Das gefiel nicht jedem, aber jedem zu gefallen, war dem Literaturfreund und Werder Bremen-Fan ohnehin kein Anliegen.

Das Team der rasteder rundschau verliert seinen Gründer – einen streitbaren Mann, ausgestattet  mit scharfem Verstand, Charme, Humor und Selbstironie. Sein kritischer Blick wird fehlen.

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