Überschwemmungen sorgen für Empörung

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Bürger melden sich im Bauausschuss zu Wort. Verwaltung plant Gefährdungsanalyse mit Erstellung einer kommunalen Starkregenkarte.

Von Kathrin Janout

Zeitweise ging es richtig rund im Bauausschuss am Dienstagabend. Der Starkregen, der vor wenigen Wochen für viele Schäden im Hauptort gesorgt hatte, war Anlass für die Empörung zahlreicher Hausbesitzer, die sich von der Verwaltung diesbezüglich im Stich gelassen fühlten. „Halt, Schluss, aus!“, stoppte Ausschussvorsitzender Hans-Dieter Röben den Redefluss eines Bürgers während der Einwohnerfragestunde als dieser Tagesordnungspunkt doch zu sehr in eine hitzige Diskussion abzurutschen drohte. Bis hierhin aber hatte es schon viele Wortmeldungen gegeben. Wie die Niederschlagsmessungen in Rastede eigentlich durchgeführt werden, wollte ein Bürger wissen. Wie oft die Kanäle gespült werden und ob Kamerabefahrungen stattfinden. „Das Wasser staut sich, es wird immer schlimmer“, berichtete ein Bürger. „Durch welche Maßnahmen kann eine Wiederholung der Schadensereignisse kurzfristig ausgeschlossen werden?“, fragte ein anderer. Ein Ausschließen werde nicht möglich sein, räumte Bürgermeister Lars Krause ein. „Wir können ja nicht von heute auf morgen alle Systeme austauschen.“ Man wolle aus dem Ereignis Lehren ziehen und Lösungen finden. Es habe in ganz Rastede Schäden gegeben, von südlich Schloßpark bis Kleibrok. „Das war ein Massenphänomen, kein Einzelfall“, betonte Krause.

Die Sorgen vieler Anwesender drehten sich vor allem um den Umbau der Hankhauser Bäke im Zusammenhang mit der Erschließung des Baugebiets im Göhlen. Nach fehlerhaften Arbeiten in diesem Bereich und dem aufgrund einer Klage verhängten Baustopps passiert hier zurzeit nichts. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres stand das Wasser nach heftigen Regenfällen hoch und verwandelte den Bereich in einen breiten Fluss. „Dort wurde ein zu kleines Rohr eingesetzt“, monierte ein Bürger. Das müsse sofort rückgängig gemacht werden. Bürgermeister Krause aber verwies immer wieder auf den Baustopp. „Wir dürfen nichts machen“, betonte er. Doch damit gaben sich die Anwohner nicht zufrieden. Es sei nicht zu begreifen, warum der Zustand wie er vorher war, nicht wieder hergestellt werde. „Jetzt sollen die Einwohner leiden?“, fragten sie empört.

Auch der ausführliche Vortrag, in dem Wolfgang Koenemann vom Ingenieurbüro Börjes erklärte, wie bei der Berechnung des Kanalnetzes vorgegangen werde, konnte die Anwesenden nicht beruhigen. In ihren Sorgen bestätigt fühlten sie sich zudem als Bauamtsleiter Stefan Unnewehr auf einer Karte zeigte, dass ein Großteil des Hauptortes über die Hankhauser Bäke entwässert werde, während die Randbereiche den Weg über die Moorbäke beziehungsweise die Hülsbäke nehmen. „Der gesamte Ortskern läuft über die Hankhauser Bäke ab“, meldete sich Rüdiger Kramer (SPD) zu Wort. „Da wundert mich nichts mehr. Alles in den kleinen Fluss, den wir gerade noch verkleinern. Das kann ja nicht gehen.“ Es müsse schnell etwas passieren.

Daran, wie in Zukunft mit außergewöhnlichen Ereignissen umgegangen werden solle, arbeite die Verwaltung bereits, berichtete Stefan Unnewehr. Auf Grundlage der Empfehlungen des Starkregennetzwerks Niedersachsen schlug er vor, zunächst eine Gefährdungsanalyse zu erstellen, bevor im Anschluss eine Risikoanalyse erfolgen und darauf aufbauend Maßnahmen und Handlungskonzepte erarbeitet werden könnten. Die interkommunale Zusammenarbeit sei dabei wichtig. Aber auch die Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern. „Hochwasserschutz beginnt auf dem eigenen Grundstück.“

Der Plan zum weiteren Vorgehen sei gut, befand Sabine Eyting (Grüne). „Müssen wir für den Göhlen eine Priorisierung reinnehmen?“, wollte sie wissen. Nein, die Hankhauser Bäke sei nicht das zentrale Problem, antwortete Unnewehr. „Wenn sie so ausgebaut worden wäre wie vorgesehen war, hätte sie ein hundertjähriges Regenereignis aufnehmen können.“

Der Bauausschuss stimmte letztlich einmütig für die Vorgehensweise der Verwaltung. Sobald ein Ergebnis vorliege, wolle man kleinere Maßnahmen umsetzen, kündigte Unnewehr an. So beispielsweise den Einbau einer flexiblen Ablauf- und Aufstau-Möglichkeit beim Ellernteich. „Wenn es aber um die Bemessung von Kanälen geht, vielleicht neue Kanäle notwendig sind und Straßen aufgerissen werden müssen, wird es länger dauern.“

 

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