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Das Aktionsbündnis „Rastede for Future“ kritisiert „gravierende Mängel“ bei der Planung des Kreisverkehrs in der Rasteder Ortsmitte

Von Britta Lübbers

In einem offenen Brief wirft das Bündnis der Kreisverwaltung sowie „Entscheidungsträger*innen des Landkreises Ammerland und der Gemeinde Rastede“ eine mangelhafte Planung für den Kreisverkehr am Verkehrsknotenpunkt Raiffeisenstraße/Oldenburger Straße vor. Die Planfeststellungsbehörde habe das Projekt genehmigt, „obwohl die konkrete Ausgestaltung des Kreisverkehrs beim Klimaschutz und bei der Verkehrssicherheit gravierende Mängel aufweist“.

Dass Kreisverkehre klimafreundlich sein sollen, bezeichnet das Bündnis als Scheinargument: „Flüssigerer Verkehr führt zwar bei gleichem Verkehrsaufkommen zu geringerem Schadstoffausstoß. Eine Verbesserung der Verkehrsqualität bewirkt aber grundsätzlich eine Zunahme des Kraftverkehrs und sorgt damit insgesamt für mehr Schadstoffe.“

Die Gruppe weist zudem darauf hin, dass das Thema Unterführung am Bahnübergang Raiffeisenstraße zugunsten der Nordwest-Umgehung vom Tisch ist. „Gemessen an der Verkehrsprognose ist der Kreisverkehr daher völlig unnötig. Das ganze Vorhaben erscheint umso absurder, wenn man bedenkt, dass sich die Gemeinde Rastede eigentlich die Reduzierung der CO2-Emissionen als Ziel gesetzt hat“, heißt es im offenen Brief. Da außerdem aktuelle Sicherheitsstandards für Fußgänger und Radfahrer bei der Kreisel-Planung nicht berücksichtigt worden seien, werde klimafreundliche Mobilität hier nicht gefördert, sondern verhindert. „Für einen Kreisverkehr, der dem Stand der Technik entspricht, reicht der veranschlagte Platz nämlich gar nicht aus“, kritisiert das Bündnis. „Daher hat die geplante Straßenführung nicht die für die Verkehrssicherheit entscheidende Kreisform, sondern bildet eher eine Verbindung von Rechtskurven um eine Mittelinsel.“ Autofahrer, die den Kreisverkehr an der ersten Ausfahrt wieder verlassen wollten, könnten „einfach sportlich um die entsprechende Kurve fahren“, Kollisionen mit Fußgängern und Radfahrern, die sich direkt hinter der Kurve auf dem Zebrastreifen befinden, seien vorprogrammiert. Insbesondere die vier Meter breiten Spuren an den Ausfahrten verleiteten ungeduldige Autofahrerinnen und Autofahrer dazu, „mal eben schnell“ an einem Radfahrer vorbeizuziehen.

Das Aktionsbündnis appelliert an Verwaltung und Politik, die Pläne zu überdenken und den Umbau auszusetzen, „bis eine regelgerechte und zukunftsfähige Lösung vorliegt.“ Bei der Erarbeitung dieser Lösung bringe sich das Bündnis gerne ein.

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