Viel Aufmerksamkeit, wenige Interessenten

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Immense Reichweite durch ein Facebook-Video, überregionale Berichterstattung diverser Medien und zielgerichtete Anzeigen in der bundesweiten Fachpresse sowie dem dazugehörigen Online-Portal – doch bislang haben alle Initiativen und die dadurch erlangte Aufmerksamkeit nicht zum erhofften Erfolg geführt: Hahn-Lehmden steht noch immer ohne einen Hausarzt da.

rr | Zur Erinnerung: Zum Jahreswechsel ist der Allgemeinmediziner Wolf-Dietmar Röcher in Rente gegangen und hat seine Praxis geschlossen. Auch er hatte sich seit längerer Zeit um einen Nachfolger bemüht. Vergeblich. Im November hatte dann eine engagierte Einwohnerin Hahn-Lehmdens, Renate Bolte, eine Unterschriften-Aktion gestartet, um der drohenden Praxisschließung noch einmal etwas entgegenzusetzen. Und tatsächlich brachte sie damit einen Stein ins Rollen. Ihr „Weckruf“ mündete im Dreh eines Kurzvideos, das auf Facebook und in diversen Medien große Beachtung fand.

Mit fünf interessierten Medizinern hat die Gemeinde Rastede seither erste Gespräche über eine mögliche Niederlassung geführt. Inzwischen sind allerdings fast alle wieder abgesprungen. „Aktuell gibt es nur noch einen einzigen Kandidaten“, berichtet Rastedes Erster Gemeinderat, Günther Henkel. Der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters ist nicht nur Ansprechpartner für Interessenten, er steht auch seit längerer Zeit im regelmäßigen Austausch mit der Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN), um eine Lösung für die Vakanz im Rasteder Norden zu finden. Auch zu anderen Kommunen, die vor demselben Problem stehen, hat er Kontakt aufgenommen, um sich über mögliche Ansätze zu informieren.

Bislang blieben alle Bemühungen ohne Erfolg. Und allein die magere Ausbeute von nur fünf Interessenten zeigt das grundsätzliche Dilemma der Landarzt-Suche: Obwohl der charmante Aufruf der Hahn-Lehmdener auf Facebook unverhofft große Aufmerksamkeit nach sich zog, blieb ein Ansturm der Bewerber aus. Nach Angaben des Sozialen Netzwerks hat das Video inzwischen mehr als 967 000 Personen erreicht, der Beitrag wurde vielfach aufgerufen. Diese positive Resonanz hatte Folgen: RTL, Sat.1, NDR, die Ärzte-Zeitung, Deutschlandfunk, Antenne Niedersachsen und einige mehr haben das Thema „Ärzte-Mangel auf dem Land“ am Beispiel Hahn-Lehmden aufgegriffen, sogar ins Programm des ZDF und in die Tagesthemen der ARD hat es die kreative Aktion geschafft.

So generierten die Einwohner durch ihr Engagement selbst eine immense Reichweite – allerdings auch mit großen Streuverlusten, da alle besagten Medien natürlich nicht speziell auf die eigentliche Zielgruppe zugeschnitten sind. Deshalb schaltete die Gemeindeverwaltung ergänzend eine Anzeige im Deutschen Ärzteblatt, laut eigener Aussage der „meistgelesene Titel der gesamten ärztlichen Fachpresse“ mit einer Druckauflage von fast 369 000 Exemplaren bundesweit. Gleichzeitig erschien die Anzeige für sechs Wochen auf dem Online-Portal des Ärzteblatts, das nach eigenen Angaben mehr als 1,6 Millionen Nutzer verzeichnet.

Doch die Aktion brachte nicht den erhofften Erfolg: Gerade einmal eine Interessentin meldete sich ausdrücklich aufgrund der Anzeige, die noch bis Ende des Monats auf http://bit.ly/anzeige-aerzteblatt zu sehen ist. Damit schwindet die Hoffnung, noch einen Arzt zu finden, der bereit ist, sich in Hahn-Lehmden niederzulassen. Denn die Zeit drängt: Mitte des Jahres läuft die kassenärztliche Zulassung für eine allgemeinmedizinische Praxis in Hahn-Lehmden ab.

Zwei Eisen hat die Gemeinde aktuell noch im Feuer, wie Günther Henkel berichtet: „Anfang März habe ich die nächsten Gesprächstermine“, so der Erste Gemeinderat. Zum einen werde er dann von der KVN erfahren, welche Resonanz es auf deren „Ausschreibung für Nachfolgezulassungen in gesperrten Planungsbereichen“ gab. Außerdem habe die Vereinigung zugesagt, diese Ausschreibung gegebenenfalls noch einmal um weitere drei Monate zu erneuern. Zum anderen werde Henkel dann noch einmal mit dem letzten verbliebenen Kandidaten in Kontakt treten, der sich direkt bei der Gemeinde gemeldet hatte – und hoffen, dass dieser nach der zurückliegenden Bedenkzeit nicht auch noch abspringt.

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